Edgar Hilsenrath, Teil III

Auszug aus dem Roman “Der Nazi und der Friseur” und Gespräch mit dem Autor

Zum Inhalt:
Dieser Roman aus Deutschlands schlimmster Vergangenheit hat seine eigene Geschichte. Erst sieben Jahre nach seinem Welterfolg in Amerika, Italien, England und Frankreich erschien der ursprünglich auf deutsch geschriebene “Der Nazi & der Friseur” auch in der Bundesrepublik. “Es wäre interessant zu wissen, was das deutsche Volk zu diesem Buch sagen würde”, schrieb Jahre zuvor Times Literary Supplement. Diese lang erwartete Antwort auf das Buch eines Juden mit deutscher Vergangenheit, Sprache und Kultur, das von der Geschichte dieses Landes diktiert und für das es geschrieben wurde, war ein überraschender sensationeller Erfolg. Doch es ist nicht nur der surreale Horror, der Kritiker und Leser dieser turbulenten Großdeutschland-Parodie betroffen machte. Es war nicht nur diese Geschichte von der Höllenfahrt des gelernten Friseurs und späteren SS-Oberscharführers Max Schulz aus der deutschen Provinzstadt, der, als Massenmörder an Tausenden von Juden nach dem Krieg gesucht, in der Identität seines durch ihn umgekommenen jüdischen Jugendfreundes Itzig Finkelstein Schutz sucht, der mit einem Sack voll Goldzähnen auf dem Schwarzmarkt in Berlin sein Geld macht und schließlich mit seinem Gesicht wie ein “Stürmer-Jude” unangefochten nach Israel auswandert und dort seinen gesicherten Lebensabend antritt. Der Erfolg gilt auch einem literarischen Meisterwerk, der Entdeckung eines großen Satirikers und seiner Sprache, “die wild wuchert und doch oft genug trifft, eine düstere und auch stille Poesie entfaltet”, wie Heinrich Böll schrieb.

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Edgar Hilsenrath, geboren 1926 in Leipzig. 1938 flüchtete er mit der Mutter und dem jüngeren Bruder nach Rumänien. 1941 kam die Familie in ein jüdisches Ghetto in der Ukraine. Hilsenrath überlebte und wanderte 1945 nach Palästina, 1951 in die USA aus. Heute lebt er in Berlin. 1989 erhielt Edgar Hilsenrath den Alfred-Döblin-Preis, 1996 den Jacob-Wassermann-Preis, 2004 den Lion-Feuchtwanger-Preis.

Edgar Hilsenrath, Gesamtausgabe: http://www.dittrich-verlag.de/pages/hilsenrath

Autor: Volker Dittrich

Copyright: Dittrich Verlag, Mitschnitt einer Veranstaltung in Leipzig

Spielzeit: 30:18 min

 
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