Edgar Hilsenrath, Teil I
Eine Kindheit als Jude in Deutschland
Zum Inhalt: Auszug aus dem Roman „Jossel Wassermanns Heimkehr“. Es ist Spätsommer 1939, und während ganz Europa auf den Krieg wartet, erzählt der reiche Matzebrotfabrikant Jossel Wassermann in seiner Villa am Zürichsee einem Anwalt und einem Notar von der Welt, aus der er herkommt: dem kleinen jüdischen Schtetl am Pruth, unweit von Czernowitz, am östlichsten Rand der alten Donaumonarchie. Es ist eine Welt, die nur aus Geschichten zu bestehen scheint, Geschichten, die kein Ende nehmen wollen, und deren grausames Ende doch schon beschlossen ist. Mit seinem urwüchsigen Fabuliertalent breitet Edgar Hilsenrath einen farbigen Bilderbogen vor dem Leser aus. Geschichten vom Wasserträger Jankl und seiner heimlichen Liebe zu Rifke, der Tochter des Schusters Katz, von der alten Vogelscheuche und dem Kruzifix an der Landstraße nach Sniatyn, und natürlich die berühmte Geschichte vom jüdischen Salzhering und dem österreichischen Kaiser - ein buntes Treiben vor einem düsteren Hintergrund. Denn das Geld Jossel Wassermanns und auch sein Leichnam werden Pohodna nie erreichen, wie er es in seinem Testament verfügt. Über all den idyllischen, glücklichen Erinnerungen liegt der Schatten dessen, was kommen wird - die unvorstellbar grausame Ausrottung der europäischen Juden, die das in diesen Geschichten blühende Leben auslöschen wird - endgültig und unwiderruflich. Edgar Hilsenraths großer Roman ist das Totenlied auf die reiche Kultur des osteuropäischen Judentums.
http://www.dittrich-verlag.de/Buch/50
Edgar Hilsenrath, geboren 1926 in Leipzig. 1938 flüchtete er mit der Mutter und dem jüngeren Bruder nach Rumänien. 1941 kam die Familie in ein jüdisches Ghetto in der Ukraine. Hilsenrath überlebte und wanderte 1945 nach Palästina, 1951 in die USA aus. Heute lebt er in Berlin. 1989 erhielt Edgar Hilsenrath den Alfred-Döblin-Preis, 1996 den Jacob-Wassermann-Preis, 2004 den Lion-Feuchtwanger-Preis.
Edgar Hilsenrath, Gesamtausgabe: http://www.dittrich-verlag.de/pages/hilsenrath
Autor: Volker Dittrich
Copyright: Dittrich Verlag, Mitschnitt einer Veranstaltung in Leipzig
Spielzeit: 22:03 min